Die alte INTERFLUG im www
Historische Betrachtungen zur einstigen DDR-Fluggesellschaft INTERFLUG

last updated:
24-Jan-2010

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Revision 3.0
IL-14

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DM-SAF
DM-SAL

Photo: H. Munk, zu dieser Zeit Bordfunker IL-14

Die IL-14 war das erste Flugzeug der neugegründeten Fluggesellschaft der DDR, der Deutschen Lufthansa (Ost).
Die erste IL-14 traf am 30. Juli 1955 in Berlin-Schönefeld ein und erhielt das Kennzeichen DDR-ABA, die zweite folgte am 13. November 1955 mit der Besatzung des russischen Instrukteurs Barilow ( DDR-ABF). Die dritte Maschine landete am 17. November mit der russischen Instrukteursbesatzung Grigorijew ( DDR-ABX). Eine vierte IL-14 folgt dann am 30. November mit der sowjetischen Besatzung des Kommandanten Minajew (DDR-ABZ)


Ja, fünf Mann Besatzung. Ankunft der russischen
Instrukteurs-Besatzung mit der DDR-ABA
Photo: unbekannt

Allgemeine Beschreibung der IL-14

Die IL-14 war eine verbesserte Nachfolgerin der IL-12, welche das erste Produkt des Konstruktionsbüros Iljuschin nach dem II. Weltkrieg war und als Ersatz für die Li-2 galt.. Dcr Erstflugg des Prototyps IL-14 fand am 20.09. 1950 statt. Das erste Serienmuster flog 1954. Das Flugzeug wurde sowohl militärisch als auch zivil eingesetzt. An die Aeroflot wurde dann die Variante IL-14P ausgeliefert, wobei das P für das russische Wort für "Passagiere" steht. Im Jahre 1955 wurde in der Flugzeugwerft Dresden mit der Lizenzproduktion der IL-14P begonnen. Zwischen 1956 und 1959 wurden in Dresden 80 IL-l4P gebaut, davon wurden 23 IL-14P zwischen 1956-1982.in der NVA genutzt. Die IL-14 ist in die Lutftfahrtgeschichte als das Flugzeug mit 200-prozentiger Sicherheit eingegangen. In der CSSR wurde sie als Avia 14 ebenfalls in mehreren Varianten in Lizenz gebaut und exportiert. Insgesamt sollen mehr als 3500 Flugzeuge dieses Typs gebaut worden sein. So etwa 50 Exemplare sollen heute noch im Einsatz sein. Normalerweise waren in der Kabine je nach Ausstattung Sitzeplätze für 18-26 Passagiere vorhanden. Ab 1956 gab es eine um etwa einen Meter verlängerte Variante IL-14M (Modifikation), die bis zu 36 Passagieren Platz bieten konnte.


Foto: G. Ritter

Das hier abgebildete blanke Flugzeug ist die einstige 482 der Luftstreitkräfte der NVA, welche dann  von 1983-1990  Exponat der historischen Vorstartlinie beim JAG-11 in Bautzen war. Das Flugzeug wurde einst  in Dresden gebaut und kann heute in der Luftfahrthistorischen Sammlung am Flugplatz Finow (nördlich Berlins) besichtigt werden.

Technische Daten der IL-14:
(Diese Angaben sind nicht Lufthansa/INTERFLUG spezifisch)
Besatzung: 4-5
Passagiere: 18-36
Länge: 22,31 m
Spannweite: 31,70 m
Höhe: 7,80 m
Flügelfläche: 99,7 m²
Leermasse: 12700 kg
max. Startmasse: 18500 kg
Höchstgeschwindigkeit: 430 km/h
Anfangssteiggeschwindigkeit: 6,2 m/s
Reisegeschwindigkeit: 280 - 360 km/h
Gipfelhöhe: 6500 m
Reichweite: 2250 km
Triebwerke 2 x Asch-82T, 14 Zyl.-Sternmotor
Startleistung: 2 x 1397 kW
Luftschraube: Vier-Blatt-Verstell-Propeller AV-50

Das Triebwerk Asch-82  (Fotos: G. Ritter)

Das Kolbentriebwerk Shvetsov Asch-82 war ein luftgekühlter 14-Zylinder-Doppelstern-Motor. Die Leistung varierte zwischen den Versionen. Es gab z.B. die Versionen W, V und T. Das T-Modell war z.B. eine in der CSSR in Lizenz gebaute Weiterentwicklung des BMW-801, der aus dem Pratt & Whitney R-1880 hervorging. Dieser Motor soll 2500 PS (1893 kW) Leistung entwickelt haben. Der in der Volksrepublik China gebaute Asch-82V soll es dagegen nur 1700 PS (1268kW) gebracht haben. Für den Einsatz im Hubschrauber wurde zur Zwangbelüftung bei niedrigen Geschwindingkeiten, im Schwebeflug oder im Stand eine riesiges Lüfterrad vor den Motor montiert. Der erste BMW 801 A/C mit etwa 42 Litern Hubraum von 1940, (bekannt durch die FW-190)  hatte mur 1600 PS Strartleistung, während die Weiterentwicklung von 1943, der BMW 801 E/S bereits 2200 PS Leistung abgeben konnte. Durch seine Luftkühlung war er im Gefecht weniger anfällig als der hängende, wassergekühlte 12-Zylinder-V-Motor Daimler-Benz DB-605 in der Me-109, der auch nur 1475 PS entwickelte.

Dieser Asch-82V aus China kann im Aeropark in Merseburg besichtigt werden.
Dieses Schnittmodell befindet sich im Technikmuseum "Hugo Junkers" in Dessau und ist als Asch-82W ausgewiesen
Schön zu sehen sind hier die zwei Kurbel-Ebenen des Doppelsternmotors
Das gewaltige Lüfterrad weißt auf den Einsatz im Hubschrauber hin.

Wer den weiten Weg nach Dessau oder Merseburg nicht machen möchte, kann einen Asch-82 auch im Luftwaffen-Museum der Bundeswehr in Berlin-Gatow besichtigen und fotografieren, wobei ich noch einmal hier feststellen möchte, daß alle Bilder dieses Web für rein private, nicht kommerzielle Zwecke benutzt werden dürfen. Vorsicht: Viele Bilder haben aber meine digitale Signatur!

 

 

Das Cockpit der IL-14

 

Beim Cockpit der IL-14 handelt es sich um ein klassisches Cockpit der frühen ersten Generation. Klassische Rundinsrumente in der üblichen Anordnung, Doppelsteuerung für Kapitän (li.) und Copiloten (re.) mittels oben offener Steuerräder. Mittelkonsole mit den Triebwerksbedienhebeln und der Luftschraubenverstellung, Trimmrad für die Höhenrudertrimmung, sowie Fahrwerks- und Landeklappenhebel.

Foto: G. Ritter

Hier handelt es sich um das Cockpit der DM-SAF, die in mühevoller Arbeit in Dessau exellent wieder hergestellt wurde.
Seltsam mutet allerdings die gegenläufige Stellung der beiden Steurräder an.

Foto: W. Hakannson

Dieses Cockpitbild stammt von der DM-SAL, die in Dresden wieder in einen hervorragenden Zustand versetzt worden ist
und vielleicht das am vollständigsten erhaltene Cockpit einer INTERFLUG IL-14 darstellt. Die DDR-SAL flog ja noch lange
als Meßmaschine (darum die erweiterte Instrumentierung) für die INTERFLUG (siehe auch spezielle Seite).

Hier einige weitere Bilder mit der IL-14, deren Herkunft und Copyrights nicht ermittelt werden konnte. Wir bitten dafür um Entschuldigugng und hoffen, das die Besitzer dieser Bilder der nichtkommerziellen Nutzung auf unseren Seiten zustimmen werden.


Die letzten drei Bilder stammen von H. Munk, damals Bordfunker auf der IL-14 der Lufthansa, später INTERFLUG, dann auch als Navigator IL-18, TU-134 und IL-62

Ein besonderer Leckerbissen dürfte diese alte Bordinfo der Deutschen Lufthansa (Ost) von einem IL-14 Flug von Berlin nach Prag sein.

Die DM-SAB wurde damals am 25. Juni 1958 wohl noch von einem der russischen Instrukteure geflogen. Die Stewardeß Ruth Hartmann stammte aus dem ersten Stewerdessen-Lehrgang der Deutschen Lufthansa (Ost). Vielen Dank für dieses seltene Stück an unseren Web-Freund Daniel Frohriep-Ichihara.

 

WALTER NEMBACH

1L-14-KOMMANDANT  DER  INTERFLUG

 Die IL-14 der INTERFLUG befindet sich im Landeanflug auf den Flughafen von Prag. Die Wetterbedingungen sind ungünstig: Sicht 500 Meter, Wolkenuntergrenze 50 Meter, Seitenwind von rechts und Regen. Der Anflug wird vom Boden durch Radar geleitet. Ruhig und konzentriert fliegt der Kommandant Walter Nembach nach den in englisch erfolgenden Anweisungen des  Radaroperators. Der Höhenmesser sinkt konstant - 100 Meter, 90 Meter, 80 Meter, 70 Meter.  Kontrollierend schweift sein Augenpaar über die Instrumente. Dem Bordmechaniker gab er Anweisungen zur Korrektur des Ladedruckes und der Stellung der Landeklappen.
60 Meter, 50 Meter, Erdsicht! Genau vor uns liegt die Landebahn, deren Befeuerung sich in den regennaßen Scheiben spiegelt. Sekunden später setzt das Flugzeug auf, sicher und genau am Aufsetzpunkt, wie bei schönem Sonnenschein.
„Thank you“, das gilt dem Radaroperator für den geleiteten Anflug. Umgeschaltet auf die Towerfrequenz und von dort die Anweisung für das Rollen zum Abstellplatz.

Es war eine Schlechtwetterlandung, wie Walter Nembach sie wohl schon Hunderte Male ausgeführt hat. Doch keine Routinesache, sondern jedesmal erneute Konzentration, als wäre es die erste. Fünftausend Stunden hat er bereits am Steuer der IL-14 gesessen.

Nachdem die Passagiere das Flugzeug verlassen hatten, blieben wir noch in der Kabine sitzen. Die Stewardeß bringt Kaffee und ich meine Fragen an.

Der Frage nach den Flughäfen, die er bereits angeflogen hat, folgte eine Aufzählung, in der unter anderem Warschau, Belgrad, Tirana, Sofia, Bukarest, Budapest, Warna, Burgas, Constanta, Helsinki, Kopenhagen, Oslo und Genf zu finden waren. Er besitzt ein Schreiben des Staatssekretärs Otto Winzer, in dem ihm persönlich für die sichere Durchführung der Flüge anläßich der Konferenz der Außnminister in Genf gedankt wird.

aus Aero-Sport 9/1964

Hier ein interessanter Artikel aus dem Aero-Sport (später dann und auch noch heute als Flieger  Revue bekannt) von 1964, der einen Schlechtwetter-Anflug des Kapitäns Walter Nemmbachmit einer IL-14 der INTERFLUG in Prag schilderte. Offensichtlich war das damalige Minimum für die IL-14 auf 50/500 festgesetzt, was bedeutet, das die Wolkenuntergrenze oder Vertikalsicht 50 Meter nicht unterschreiten durfte, um noch eine Landung zu "wagen". Die Sichtweite oder Landebahnsicht mußte mindestens 500m betragen. Man mußte also in 50m frei von Wolken die Landebahn oder ihre Umgebeung/Befeuerung in Sicht haben und in Sicht behalten, um eine Landung durchführen zu dürfen. Andernfalls mußte der Anflug abgebrochen/durchgestartet werden (go around).

INTERFLUG Flugkapitän Walter Nembach flog zunächst als Copilot und wurde dann 1960 zum Kommandaten (Kapitän, Pilot in Command) auf der IL-14 ausgebildet. Walter flog später auch die AN-24 und die TU-134 der INTERFLUG, war Fluglehrer und Checker, hatte verschiedene Leitungsfunktionen inne. Walter Nembach war einer der publikumswirksamen Kapitäne der INTERFLUG, stand oft im Rampenlicht der Öffentlichkeit, hatte ausgezeichnete Umgangsformen, eine gute Bildung, war verbindlich und freundlich zu jederman und so jeder Lebenssituation gewachsen. Walter war auch einige Jahre mit "unserer" Sonja verheiratet, eine der markantesten und professionellsten Stewardessen der INTERFLUG, die dann später den Kunstflugweltmeister und IL-62 Kapitän Peter Kahle heiratete, der dann nach der Wende bei Condor Kapitän war..

Wir werden über Walter Nembach, der auch passionierter Jäger war, später noch auf unserer geplanten Page "IF-Personen" ausführlicher berichten.


Walter Nembach, hier in einer TU-134

 

Hier ein historisches Foto des jungen Bordfunker/Navigator Helmut Munk mit einem Blick aus dem Copiloten-Cockpitfenster der IL-14 mit dem Kennzeichen DDR-SBE.

Weitere Detailfotos sind auf den nächsten Seiten zu finden, wo ich Bilder der bislang besuchten in Deutschland noch verfügbaren IL-14 veröffentlichen werde.

Eine gute Internet-Quelle zu allen in Dresden gebauten IL-14 findet man unter http://www.skybird-ev.de/il14/4------d.htm .