Die alte INTERFLUG im www
Historische Betrachtungen zur einstigen DDR-Fluggesellschaft INTERFLUG

last updated:
04-Dez-2010

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Revision 3.0
TU-134

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TU-134A
TU-134AN
TU-134N

Hier im Bild die DM-SCB, in der Reihenfolge der Buchstaben zweite TU-134 der INTERFLUG beim Take-Off.   Die Maschine hat die Werksnummer 8350503. Sie war aber eigentlich die erste für INTERFLUG registrierte TU-134 (26.07.1968). Eine andere Quelle sagt dagegen, es wäre der 23. 07. 1968 gewesen, während eine INTERFLUG eigene Publikation (Zeittafel) angibt, daß die erste TU-134 überhaupt erst erst am 1. Oktober 1968 auf dem Flughafen Schönfeld eingetroffen wäre und dort zunächst zum Training der Besatzungen genutzt wurde.  Das Flugzeug wurde am 18.09.1981 umregistriert zur DDR-SCB.

Es soll dann am 18. November 1985 nach einer harten Landung in Schönefeld ausgemustert und dort abgestellt worden sein.  Am 17. OCT wurde es auf dem Landweg nach Oschersleben gebracht. Im Mai 1989 wurde im Freizeitpark an der Anderslebener Straße darin ein Café mit 32 Plätzen eröffnet. Die DDR-SCB hatte bis dahin 12 873 Landungen und 19 966 Flugstunden hinter sich gebracht, war damit im Durchscnitt 1 Std und 33 Min. pro Flug in der Luft, was in etwa dem Streckenspektrum der TU-134 Staffel für die Kurz- und kurze Mittelstrecke entsprach. Nur sehr wenige Flüge dauerten länger als 3 Stunden, etliche dagegen waren kürzer oder nur um eine Stunde herum (z.B. PRG, CPH, STO, WAW, BUD, BTS)  
Auf dieser Seite möchte ich die TU-134 nur ganz kurz vorstellen. Sie hat es bei der INTERFLUG hauptsächlich in drei Varianten gegeben, nämlich der ersten und ursprünglichen Version der TU-134, die 1968 mit der DM-SCB und der DM-SCA bei INTERFLUG in Dienst gestellt wurde und die dann später bei INTERFLUG als TU-134N bezeichnet  wurde, wobei das N für Normalvariante stand. Diese Differenzierung wurde notwendig, da zwei weitere Varianten in Laufe der Zeit hinzukamen, die TU-134A und die TU-134 AN. Diese Bezeichnungen sind absolut INTERFLUG spezifisch und sind darum nicht mit anderen, vielleicht anderswo gefundenen Bezeichnungen in ein System zu fassen (wie z.B. TU-134A3 oder TU-134B etc.). Die normale, erste Variante trägt eigentlich keinen Buchstaben, während nur die A-Variante auch das A hinter TU-134 führte. Die AN-Variante ist nach russischem Verständnis eigentlich auch eine A-Variante, hatte ja auch bei INTERFLUG 76 Plätze. Nur das Cockpit war verschieden. Die TU-134A wurde letztlich das Rückgrat der INTERFLUG für die Kurz- und Mittelstrecke (in der Regel bis etwa 3 Std pro Secctor).
Ein Bild von Helmut Munk zeigt die Silouette einer TU-134 am sonnenüberfluteten Sommerhimmel. Nachfolgend gebe ich eine kleine Übersicht über alle 32 Flugzeuge TU-134 (A) mit den wichtigsten Basisdaten. Hier sieht man deutlich, wo die Unterschiede zwischen den Varianten aber auch innerhalb einer Variante zu finden sind. Ich hoffe, dass diese Tabelle einmal mit dem Wirrwarr auf einigen Homepages, auf denen technische Daten der TU-134(A) genannt werden, aufräumt. Wie man sehen kann, wurden bei INTERFLUG metrische Maßeinheiten benutzt. Die Benennung des maximalen Startgewichtes (MTOW - Max Take-Off Weight) in Tonnen war etwas inkonsistent, da das nicht dem SI-System entspricht. Interessant sind auch die fast identischen Werte der Schwerpunktangaben in % MAC (mittlere aerodynamische Flügeltiefe - mean aerodynamic cord ) und des Basis Index (basic index - BI) für die Schwerpunktberechnung zur Beladung der Flugzeuge. (Ich bitte die schlechte Qualität des scans zu entschuldigen. Eine in jpeg konvertierte pdf-Datei, die ich später mal durch einen OCR scan ersetzen werden, womit dann auch bessere Schriften die Lesbarkeit erhöhen werden.)
tu-134
tu-134
Aus dem Flugzeughandbuch (FZH-134) der INTERFLUG TU-134(A) für die A- und AN-Variante  (die N etwa 2.1 Meter kürzer)
Im folgenden will ich kurz die wesentlichen Unterschiede zwischen diesen Varianten erklären, die dann im Detail auf den speziellen Seiten zu den einzelnen Varianten später noch genauer erklärt werden sollen. Um auf diese Seiten zu gelangen, einfach auf den Namen der Variante in der ersten Spalte klicken oder die Navigation links auf der "shared border" benutzen.
Variante

Unterscheidungs-Merkmale der drei INTERFLUG-Varianten

Anzahl

TU-134N

Die TU-134N war die erste Grundvariante, wie sie 1968 mit der DM-SCB und DM-SCA bei INTERFLUG eingeführt wurde. Sie war eine aus der TU-124 abgeleitete Konstruktion, mit der augenscheinlichen Veränderung der Position der beiden Triebwerke von der Tragflügelwurzel an das Heck des Flugzeuges. Es ging die Geschichte um, daß die Rekonstruktion auf eine Forderung von Nikita Chrutchov zurück geht, der bei einem Frankreich-Besuch mit der Caravelle befördert wurde und von dem wesentlich geringeren Lärmpegel in der Kabine äußert angetan war. Da wie so oft im Leben, es nicht entscheidend ist, was man sagt, sondern wer es sagt, wurde daraufhin nun der Tupolev Kurz- und Mittelstrecken-Jet neu definiert, ohne bereits vorhandes völlig über Bord zu werfen. Das brachte der TU-134, wohl vornehmlich im westlichen Ausland, den Spitznamen "Caravellsky" ein. Bei INTERFLUG wurde die TU-134 oft "Bleistift" oder "Lötlampe" genannt, allerdings weniger von den Piloten, die nannten sie einfach die "TU". So war man eben einfach "auf der TU", wenn man der TU-134 Staffel angehörte.
Die TU-134N war mit den Zweistrom-Turbinenluftstrahltriebwerken (ZTL) Solojev D-30 der ersten Serie ausgestattet. Diese Triebwerke hatten Elektro-Starter, sogenannte Startergeneratoren, die nach dem Anlassen als Generatoren fungierten. Drei kräftige 28V-Batterien, machten die TU-134 auch eigenstartfähig, wobei das eine absolute Ausnahme darstellte. Normalerweise wurde auf Flughäfen eine Außenbord-Spannungsquelle benutzt.
Die Triebwerke hatten keine Umkehrschubeinrichtung. Eine Klimatisierung der Kabine war nur mit laufenden Triebwerken möglich, da das Flugzeug über keine Hilfturbine (APU-auxaillary power unit) verfügte. Um den Nachteil des fehlenden Umkehrschubes bei der Landung auszugleichen, wurde das Flugzeug mit einem Bremsschirm ausgerüstet, der in einem Container am Heck untergebracht war. Wurde dieser Bremsschirm auf einer Außenstation ausgelöst, war es die Aufgabe des Copiloten, der auf der TU-134 als sogn. "technischer Verantwortlicher" fungierte, diesen Schirm wieder zu packen. Dazu mußten die Copiloten extra eine spezielle Einweisung bei der Flugtechnik der INTERFLUG im Südteil von SXF durchlaufen. Abgesehen davon, daß die Benutzung des Schirms meist bei schlechtem Wetter erfolgte, das Packen also auch, benötigte man eine hohe Treppe oder eine extra Gangway, um an den Container heranzukommen. Zuvor mußte irgend jemand den Schirm von der Bahn (RWY)  geholt haben, denn er mußte ausgeklinkt werden, bevor man die erste Kurve rollte. War am Flughafen darauf niemand vorbereitet, zog das eine minutenlange Sperrung der Bahn nach sich, weshalb wir später, vor allem im Ausland, die nur wenig gebogenen High-Speed-Exits der RWY benutzten, um den Schirm abzuwerfen. Dabei war der Wind zu beachten. Ich werde auf diese Kuriosität später noch auf der TU-134N page näher eingehen. Ich meine, da kommen doch echt Erinnerungen an den Pioniergeist zu Zeiten von Orville und Wilbur Wright hoch, oder? Auch neuere Vergleiche mit dem Space Shuttle sind nicht abwegig. Ansonsten sieht man Bremsschirme ja höchstens manchmal noch an militärischen Jagdflugzeugen auf verschiedenen Flugvorführungen, wie zur ILA in Berlin.
Eine äußerst augenfällige Charakteristik der Normalvariante, die sie mit der AN-Variante bei INTERFLUG teilte, war die mit 8 Scheiben verglaste Bugkanzel, in der der Navigator seinen Arbeitsplatz hatte.
Weit weniger auffällig war, daß die TU-134N mit einer Rumpfklappe ausgerüstet war (Rumpfunterseite zwischen den Tragflächen), die den Widerstand des Flugzeuges im Landeaflug erhöhen sollte. Diese Klappe war also nicht ganz mit den sonst üblichen Bremsklappen, wie z.B. am Heck der Fokker F-28, zu vergleichen. Sie wurde z.B. nicht, wie bei der Fokker, im Sinkflug eingesetzt. Die mir bekannte Begründung war, dass damit die Treibwerke im Landeanflug mit einer um etwa 2% höheren Drehzahl betrieben werden mußten, was im Falle eines Durchstartens (go around or auch missed approach genannt) die erforderliche Leistung der Treibwerke schneller verfügbar machte. Der Effekt war aber so gering, daß er in keinem Verhältnis zum Wartungsaufwand dieser Klappe stand, weshalb die Rumpfklappe später bei INTERFLUG außer Betrieb genommen wurde. Damit sind Bilder, die eine anfliegende TU-134 mit ausgefahrener Rumpfklappe zeigen,  eine wahre Sammler-Rarität.

Die TU-134N war etwa 2,10 Meter kürzer als oben auf der Grafik dargestellt und hatte darum eine Sitzreihe weniger (72 Plätze statt sonst 76 Sitze).
Die ursprüngliche Normalvariante dürfte heute kaum noch irgendwo im Einsatz zu finden sein. Die in der Luftfahrttechnischen Sammlung in Finow stehende DM-SCH, die DDR-SCF in Leipzig, die DM-SCB in Magdeburg oder die DDR-SCZ in Merseburg sind damit ausgemachte Raritäten, die eigentlich jeden echten Luftfahrtbegeisterten wie ein Magnet anziehen müßten, denn bald werden sie zerfallen sein. INTERFLUG.NET hat auch etliche Bilder von der DM-SCH, der DDR-SCF, der DDR-SCB  und der DDR-SCZ, alles klassische Normalvarianten, hier im "ifnet". Eine eingehende Besichtigung vor Ort können diese Bilder jedoch nicht ersetzen, bestenfalls "schmackhaft" machen.

6

TU-134AN


Die TU-134AN Variante wurde von der INTERFLUG selbst nie beschafft, sondern uns von der Regierungsstaffel "aufgezwungen" als man dort im Rahmen der Neustrukturierung diese Variante los werden wollte. INTERFLUG betrieb dann diese beiden Flugzeuge, DM-SCK und DM-SCL, in ihrer TU-Flotte, war aber nie recht glücklich darüber, da das weiter zu einer fehlerträchtigen Varianten- und Ausstattungsvielfalt beigetragen hat. Der Begriff "schädliche Routine" wurde in der TU-Staffel nun umgangssprachlich. Ich komme später noch darauf zurück.
Die Variante war eigentlich die erste A-Variante, wie sie bei Aeroflot auch genannt wurde, wobei A in unserem Sprachgebrauch vielleicht für "advanced" gesehen werden kann. Diese Variante hatte bereits die Treibwerke D-30 der zweiten Serie, welche mit einer Umlehrschub-Einrichtung (thrust reverser) ausgestattet waren. Der Bremsschirm entfiel damit. Sie war etwa 2,10 Meter länger als die N-Variante und hatte in der INTERFLUG-Bestuhlung nun 76 Sitze .
Diese Variante besaß endlich auch eine APU mit der Typbezeichnung TA-8, welche das Flugzeug auch ohne die laufenden Triebwerke mit Spannung und mit Luft zur Klimatisierung und zum Anlassen der Triebwerke versorgen konnte.
Warum wir sie nicht A- sondern AN-Varianten nannten, war in der Beibehaltung der verglasten Bugkanzel, wie bei der N-Variante, begründet.
In beiden Varianten saß der Navigator also eine halbe Etage tiefer, im sognenannten "Keller", warum beide Varianten auch oft von den "Navis" als "Kellervariante" spezifiert wurden. Diese beiden Varianten hatten neben den beiden Piloten-Sesseln und dem Navigatorsitz noch zwei weitere Klappsitze im Cockpit, welche z.B. bei der Aeroflot für den Bordingenieur und den Funker genutzt wurden (5-Mann-Besatzung, während INTERFLUG nur mit 3-Mann-Besatzung flog).
 

2

TU-134A


Die TU-134A der INTERFLUG ist als die "germanisierte" Variante der TU-134AN anzusehen, zurückzuführen vornehmlich auf eine Initiative der INTERFLUG und vor allem der CSA. Der Hauptmangel der "verglasten" Varianten war die stark erschwerte Kommunikation zwischen Piloten und Navigator, die äußerst begrenzte Kontrolle der Arbeit des Navigators, sowie die  fehlende Ablesemöglichkeit der Geräte des Navigators durch die Piloten. Die meisten Navigatoren, die bei INTERFLUG wegen dem fehlenden Bordingenieur dann auch für die Elektroschalttafel zuständig waren, fühlten sich allerdings in der Bugkanzel wohler, wohl schon deshalb, da sie dort nicht jedesmal aufstehen mußten, wenn einer der Piloten seinen Sitz verlassen wollte/mußte.
In der A-Variante saßen sie nun auf einem Klappsitz direkt zwischen den (Dreck-)Füßen der Piloten (also immer noch eine halbe Etage tiefer). Um die Elektrotafel zu bedienen, die nun im Gang hinter ihnen installiert war,  mußten sie ebenfalls immer aufstehen. Die "Glasnase" war nun eine "Pappnase" geworden, hinter der sich, wie bei den meisten Verkehrsflugzeugen,  die Radarantenne befand. Das Radar war jetzt auch ein anderes, worauf wir später zurückkommen werden. Es war weniger militärisch und schlechter, wie viele meinten.
Auch von dieser Variante bekamen wir im Laufe der Zeit einige von der Regierungsstaffel, dem Transportgeschwader TG-44 im damaligen Marwalde (heute Neuhardenberg), zugeführt, wenn sie dort nicht mehr gut genug waren oder wegen Anschaffung anderer Typen nicht mehr gebraucht wurden. Insbesondere die DM-SD... Registrierungen kamen alle von dort.
Neben der INTERFLUG flogen in Europa z.B. auch die tschechische "CSA" und die jugoslawische "AVIOGENEX" diese "Pappnasen-Variante".
 


Nach diesem groben Überblick über einige wesentliche Untersschiede zwischen den bei der INTERFLUG zum Einsatz gekommen Varianten der TU-134 werden nun auf den spezifischen Seiten, neben Bildern, Cabin layout (floorplan), auch einige weitere technische Details eine Rolle spielen.
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