Die alte INTERFLUG im www Historische Betrachtungen zur einstigen DDR-Fluggesellschaft INTERFLUG |
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TU-134 Flotte | |
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Die Flugstaffel TU-134 (in den letzten Monaten dann in Angleichung an die
Airbus-Flotte auch als Flotte bezeichnet) saß in der ersten Baracke, im vorderen Teil, hin zum Block
F, und wurde lange Jahre von Flugkapitän Erich
Metzger geleitet.
Die Staffel entstand de facto im
Oktober 1968 mit dem Eintreffen der ersten beiden TU-134 in Berlin-Schönefeld.
Die DM-SCA (01. Okt.) und die DM-SCB (18. Okt.) wurden allerdings noch von
sowjetischen Besatzungen überführt. Erst am 12. November 1968 erfolgte der erste
Trainingsflug einer TU-134, der DM-SCB, mit dem deutschen Trainingskapitän Herrn Rolf Heinig (später Prof. Dr.-Ing an der
Verkehrshochschule in Dresden).
Damit war für die INTERFLUG die Ära des Betriebes mit TL-Flugzeugen
angebrochen.
Das Theorie-Programm umfaßte unter anderem folgende Lehrfächer:
48 Stunden Besonderheiten der Aerodynamik hoher Geschwindigkeiten und praktische Aerodynamik des Flugzeuges TU-134 68 Stunden Konstruktion und Betrieb des Flugzeuges TU-134 42 Stunden Funk- und Naviagtionsausrüstung des Flugzeuges TU-134 30 Stunden Geräteausrüstung des Flugzeuges TU'-134
Die flugpraktische Ausbildung fand in einer eigenen Fluggruppe unter Leitung des sowjetischen Fluglehrers Herrn Gerassimow vom 1. Okt. bis 18. Okt. statt. Herr Gerassimow war ein auf Tupolev-Flugzeugen (TU-104, TU-124, TU-134) erfahrener Kapitän mit dem sich die kleine Gruppe bestens verstand. Die Ausbildungsflüge führten u.a. nach Simferopol und Mineralnije Wody. Es agb während der gesamten Ausbildung keinerlei Störungen oder Verzögerungen durch technische oder andere Probleme. Die sowjetische Seite nahm ihre Aufgabe außergewöhnlich ernst und professionel wahr.
Wieder zurück in Berlin nahmen die
frischgebackenen TU-Instrukteure sofort ihre Arbeit auf und bildeten die ersten
Besatzungen aus. Die Flugzeugführer kamen überwiegend von der AN-24 Straffel.
Die Navigatoren von der IL-18. Die theoretische Ausbildung wurde bis auf die
Fächer Flugbetriebsanleitung (Herr Sachse) und Aerodynamik (Herr Petzold) von
erfahrenen Kollegen aus der Flugtechnik durchgeführt, die ebenfalls in der
Sowjetunion geschult worden waren. Die Kapitäne der ersten Gruppe waren die Herren Metzger, Streit, Gemeinhardt, Nembach, Wünschmann und Krüger. Als 2, Flugzeugführer (Copiloten) wurden zunächst die Herren Langrock, Waurick, Schmidt, Weber, Zerbe und Fritzsch geschult. Zu Navigatoren schulte man in der ersten Gruppe die Herren Albert, Weise, Naundorf und Tauchen.
Die Staffel hatte eine eigenartige Charakteristik und Ruf.
Außerdem war die TU-134 wegen der negativen V-Form ihrer Tragflächen vor allem bei Seitenwind nicht unbedingt leicht zu fliegen. Die Normalvariante hatte keinen Umkehrschub, sondern nur einen Bremsschirm. So waren Bahnen mit schlechten Bremsverhältnissen und Landungen mit starkem Seitenwind damit nicht vorzugweise die Domäne der TU-134. (siehe Typenbeschreibung der TU-134(A)). Die TU-134 war die Flugstaffel mit den meisten Vorkomnissen und Unfällen (drei Totalverluste, alle auf dem Boden der DDR, dagegen IL-62: 2, IL-18: 1, A-310: 0). Mindestens zwei der Totalverluste der TU-134 waren reine klassische Human Error Fälle (CRM), während alle anderen der INTERFLUG überwiegend technischer Natur waren. Der dritte Fall, einer TU-134A, DM-SCM, in SXF wurde zwar als reiner technischer Fall gehandelt (Autoilot ließ sich angeblich bei der Landung nicht abschalten); es wird aber auch maßgeblich schlechtes CRM mit im Spiel gewesen sein.
Die Staffel wurde sehr viele Jahre von Flugkapitän Erich Metzger geprägt. Er setzte
der Staffel maßgeblich seinen Stempel, seine Handschrift auf. (Nur, jeder mag einmal für sich selbst einschätzen, wie denn
das mit dem Neid heute so ist. Man kann diesen Job einfach nur verstehen und
nachvollziehen, wenn man ihn selbst
ausübt. Eigentlich völlig klar, wird aber leider nur selten akzeptiert und
die Masche vieler Flieger Verständnis zu heucheln oder sich anzubiedern, ist
meiner Meinung keine Lösung dieses Konflikts. )
Laut Flugbetriebshandbuch (FBH) war den Flugstaffeln (Flotten) folgende Aufgaben übertragen: Die Flotten Im Betriebsteil bestehen Flotten für jeweils einen
Flugzeugtyp. Die Flotten sind verontwortlich für:
Dem Staffelleiter standen zu diesem Zweck zwei fliegerische Stellvertreter (davon einer für Ausbildung), ein Oberinstrikteur für Navigatoren, ein Staffel-Ingenieur, eine Sekretärin, zwei Einsatzplaner (Grundsatzplan) und in späteren Jahren dann noch ein Polit-Stellvertreter zur Verfügung. Zum erweiterten Kreis der Staffelleitung zählten auch die Gruppenleiter, der Pateisekretär und der Gewerkschafts-Vertrauensmann des FDGB.
Die Flugstaffel war, wie die anderen Flugstaffeln auch, in Fluggruppen unterteilt, zumeist in den letzten Jahren wohl sechs Gruppen, die jeweils von einem Gruppenleiter geleitet wurden. Der Gruppenleiter war ein Flugkapitän, der auch Fluglehrer und Checker war. Ihm zur Seite stand dann als sein Stellvertreter ein weiterer Fluglehrer, der aber auch eine eigene Besatzung hatte, die sogn. Instrukteursbesatzung,. In jeder Fluggruppe gab dann etwa 6 Besatzungen, bestehend aus Kapitän, Copilot und Navigator und ggf. die in der Ausbildung befindlichen Schüler (students, trainees). Es wurde immer angestrebt, diese über einen gewissen Zeitraum auch als sogn. "feste Besatzungen" zusammen einzusetzen, was jedoch operativ selten ausreichend gelang. Dem Gruppenleiter standen außerdem die üblichen "gesellschaftlichen Käfte" in der DDR zur Seite, bestehend vor allem aus Parteigruppensekretär und Gewerkschaftsgruppen-Vertrauensmann. Weitere "Kräfte" ergaben sich aus der "Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft", der Neuerer-Bewegung, der "Freien Deutschen Jugend" (soweit es jüngeres Personal im Bestand gab) und ggf. anderen "Kräften", wie GST oder DTSB.
In den Fluggruppen spielte sich also auch das vielgepriesene "gesellschaftliche Leben" ab. Hier wurden an den sogenannten "Gruppentagen" (früher einmal alle 4 Wochen, später dann nur noch alle 6 Wochen) die erforderlichen Pflichtbelehrungen erledigt (siehe Vorgaben auf der Seite "Struktur des BT Flugbetrieb"), die Besprechungen in den Kategorien, das Parteilehrjahr und die Schulen der sozialisten Arbeit durchgeführt. Letztere durfte später eingespart werden, da man das für alle obligatorische Parteilehrjahr wohl als völlig ausreichende politische "Bildung" ansah. Es gab dann die "Bekanntmachungen" des Gruppenleiters und der anderen "gesellschaftlichen Kräfte", die "Besprechungen in den Kategorien" (Kapitäne, Copiloten, Navigatoren), sowie kurze Versammlungen im Aufgabenbereich der gesellschaftlichen Organisationen (z.B. Gewerkschaftsgruppenversammlung). Die Gewerkschaft war z.B. der Träger der zentral in der DDR vorgegebenen Bewegung "sozialistischer Wettbewerb". Letztendlich hatte nahezu jeder in der Gruppe eine Funktion und wenn er nur den Beitrag der "Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Feundschaft" kassierte (das waren wohl nur 12 Mark im Jahr, doch selbst deren Verwendung war mir immer schleierhaft ). Blieben wirklich welche unbedacht übrig, dann gab es ja immer noch die Arbeitsgruppen, die auf mehr oder weniger "freiwilliger" Basis bestimmte Probleme der Flugstaffel oder gar des gesammten Flugbetriebes zu lösen hatten. Typischer Spruch dieser Zeit: "Wenn ich nicht mehr weiter weiß, bilde ich einen Arbeitskreis." So war schlußendlich jeder irgendwie beschäftigt und "von der Straße weg". -:)
Gruppenleiter der TU-134 Staffel waren unter anderem die Flugkapitäne:
Siegfried "Sieg" Waurick (später stellv. Staffelleiter f. Ausb.), heute im Executive Bereich in Freising auf Learjet u.a., Sachverständiger Walter "Waldi" Nembach (auch mal stellv. Staffelleiter), heute Sachverständiger im Land Brandenburg Günter "Julius" Fucik (aus der Gerwerkschaftsarbeit) Dieter Sachse II (lange auch als Parteisekretär tätig) Konrad "Konni" Schröter Christoph Sommer, heute beim LBA, Sachverständiger Werner Schmidt, heute Kapitän bei Germania Friedhelm "Freddi" Stange (aus der Gerwerkschaftsarbeit), heute bei der Landesbehörde in Brandenburg, Sachverständiger
In den letzten Jahren (ich glaube ab 1987) vor dem Ende der INTERFLUG wurde die Staffel von Flugkapitän Hans-Jürgen Voigt (zuvor Partei-Sekretär der Staffel) geleitet, der heute als Kapitän bei CONDOR (ehemals Südflug) auf B-767/757 fliegt. |
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