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                          Historische Betrachtungen zur einstigen DDR-Fluggesellschaft INTERFLUG

                 

 

last updated: 12.12.2007

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Technical Q&A


Revision 1.02   12. DEC 2007

 

Auf dieser Seite "Questions and Answers" ( Fragen und Antworten) werde ich auf Fragen vorwiegend technischer, technologischer und flugbetrieblich-technischer Natur antworten, die von Einzelpersonen gestellt wurden, aber durchaus von allgemeinem Interesse sein könnten. Die Antworten basieren nicht in jedem Fall auf Handbüchern und Unterlagen der INTERFLUG, sondern entsprechen in den meisten Fällen dem heutigen Stand der Erkenntnisse des Webmasters und der ihm zugänglichen Quellen. Viele Antworten werden sicher zunächst einmal "aus den Hut" beantwortet und später vielleicht an Hand von Unterlagen weiter ergänzt oder präzisiert. Das ist in der Regel ein Zeitproblem, aber auch meinem Leben aus dem Koffer geschuldet. Es werden allerdings in der Regel nur Fragen aufgegriffen, die sich auf den Betrieb von Verkehrsflugzeugen beziehen. Für Fragen, die in den Bereich der PPL-Ausbildung gehören, wenden Sie sich bitte an die Flugschule Airship im Südteil Flughafens in Berlin-Schönefeld. (Einfach in Google "Airship" eingeben und auf deren Webseite schauen)

 

Nr. Frage - Question Antwort - Answer
1

 

Wenn nach dem erneuten  Betanken des Flugzeuges eine Mischung von Kraftstoffen mit unterschiedlichem Gefrierpunkt vorliegt, welchen Gefrierpunkt benutzt man dann als Referenz? Können Sie mir irgendwelche Entscheidungshilfen geben?

 

 

 

Niedrige Kraftstofftemperaturen - Das ist das Thema hier:

Die Temperatur des Kraftstoffes in den Tanks ändert sich mit der Gesamt-Lufttemperatur (total air temperature -TAT), d.h. Umgebungstemperatur plus kinematische Erwärmung durch die Reibungsenergie der Luftströmung. So fällt bei einem langen Flug in großer Höhe die Kraftstofftemperatur in den Tanks kontinuierlich ab. In einigen Fällen erreicht die Temperatur das Limit für den entsprechenden Kraftstoff.

Der Gefrierpunkt des Kraftstoffes darf aber nicht mit dem Gefrierpunkt von Wasserpartikeln im Kraftstoff  verglichen werden. Diese gefrieren nach wie vor unter Null Grad Celsius und gehören darum nicht in den Kraftstoff. (Darum Wasserprobe vor dem Flug) Der Gefrierpunkt von Kraftstoff ist der Punkt, bei dem sich wachsartige Kristalle im Kraftstoff zu formen beginnen. Der Kraftstoff Jet A hat entsprechend seiner Spezifikation einen Gefrierpunkt von nur -40° Celsius, während Jet A1 einen Gefrierpunkt von -47° Celsius hat. In der früheren Sowjetunion gab es einen Kraftstoff TS-1, den wir auch bei INTERFLUG getankt haben, oder RT, der einen Gefrierpunkt von -50° Celsius hatte und in manchen geografischen Regionen soagr mit noch niedrigerem Gefrierpunkt angeboten wurde, je nach dem, wo der Kraftstoff hergestellt wurde.

Außer man mißt den genauen Gefrierpunkt vor dem Betanken, der Gefrierpunkt der jeweiligen Kraftstoffspezifikation aus den Angaben des Herstellers muß benutzt werden. Auf den meisten Flughäfen führt die genaue Ermittelung des Gefriepunktes jedoch zu einem tieferen Gefrierpunkt als in der Spezifikation angegeben (sichere Abweichung). Ist diese aber aktuelle ermittelt worden, so kann man diese natürlich auch benutzen. Piloten sollten jedoch in Betracht ziehen, daß auf manchen Flughäfen oder Flugplätzen der Kraftstoff dicht über der Erde in Tanks oder Tankfahrzeugen gelagert wird und schon eine Temperatur haben kann, die nahe an seinem Gefrierpunkt liegt, bevor die Betankung des Flugzeuges überhaupt beginnt. Moderne Flughäfen haben dagegen meist ein Unterflurbetankungssystem, bei dem der Kraftstoff in wärmeren Tanks unter der Erde gelagert wird. Die dann viel kleineren Betankungsfahrzeuge haben keine Tanks mehr, sondern nur noch Pumpen, Filter und Meßeinrichtungen.

Für eine Mischung verschiedener zulässiger Kraftstoffsorten  mit unterschiedlichem Gefrierpunkt in den Tanks eines Flugzeuges nutzt man den am meisten beschränkenden Gefriepunkt für die ganze Mischung (höchster Wert). Das macht man solange bis mindestens dreimal mit dem Kraftstoff mit dem geringeren Gefriepunkt betankt wurde, dann kann man diesen Wert nehmen.

Sollte der Gefrierpunkt des Kraftstoffes für den nächsten Flug als kritisch/beschränkrnd angesehen werden (lange Flugdauer in großer Höhe über kaltem Gebiet), dann sollte man vor der Betankung allen Kraftstoff aus den Tragflächen in den Tank im Tragflächenmittelstück am Rumpf transferieren. Dann kann der Gefrierpunkt des Kraftstoffes, der in die Tragflächen getankt wird für den kommenden Flug als Referenz angenommen werden.

Die Kraftstofftemperatur sollte stets in den Grenzen des von den Behörden bestätigten Aircraft Flight Manuals (AFM) gehalten werden, so wie es auch in den Betriebhandbüchern (AOM) gefordert wird. Solange die Kraftstofftemperatur nicht diese Mindestwerte (in der Regel 3° Celsius über dem jeweiligen Gefrierpunkt, also -44° bei Jet A1) erreicht, besteht auch kein Grund zur Sorge, egal wie lange der Flug dauert, obwohl es z.B. bei unserer  Boeing 747-400 schon bei -37° Celsius zu einer Amber Caution Message kommt (Grundlage Jet A). Die normale Abkühlung des Kraftstoffes beträgt etwa 3° Celsius pro Stunde, kann im Extremfall jedoch bis zu 12° Celsius pro Stunde erreichen. Weitere Abkühlung vollzieht sich nur, solange eine Temperaturdifferenz zwischen Gesamttemperatur und Kraftstofftemperatur besteht. Die Abkühlungsgeschwindigkeit verlangsamt sich mit der Abnahme dieser Differenz. Obwohl sich also die Abkühlungsgeschwindigkeit mit Annäherung an die Gesamttemperatur verlangsamt, kann die Kraftstofftemperatur bei extrem langen Flügen die Gesamttemperatur erreichen. Bewegt sich die Kraftstofftemperatur auf die zulässige Grenze zu (in der Regel 3° Celsius vor dem Gefrierpunkt) muß der Pilot Maßnahmen ergreifen, um die weitere Abnahme der Temperatur zu stoppen, also versuchen, die Gesamttemperatur  zu erhöhen. Das kann sein durch:

  • Steigen oder meist Sinken in wärmere Luftmassen

  • Laterales Ausweichen in wärmere Gebiete (auf der Nordhalbkugel weiter südlich fliegen, falls zutreffend)

  • Erhöhung der Fluggeschwindigkeit (mehr kinetische Reibungsenergie erzeugen)

Alle diese Maßnahmen sind allerdings in der Regel mit einem höheren Kraftstoffverbrauch zu "erkaufen". Die Temperaturvorhersagen (temperature forecast) auf den entsprechenden Wetterkarten sind darum bei langen Flügen (long range operation) sorgfältig zu studieren, insbesondere wenn niedrigere Temperaturen als normal vorherzusehen sind, wie z.B. im Winter bei Flügen über Sibirien. So war ich bei meinen Flügen von Taipei nach Paris, die über Sibirien geführt wurden, öfter gezwungen, die Machzahl um 0,01 bis 0,02 zu erhöhen, was je 0,01 Erhöhung eine Temperaturerhöhung der Gesamttemperatur um 0,5° bis 0,7°Celsius bewirkt. Auch ein Sinkflug auf eine um 3000 ft bis 5000 ft tiefere Flughöhe (below Optimum) kann notwendig werden. Die Zeit für die Stabilisierung der Kraftstofftemperatur beträgt dann in der Regel zwischen 15 Minuten und einer Stunde.

 

2

Wie wird ein Flugzeug eigentlich am Boden gelenkt, wenn die aerodynamisch wirksamen Steuerflächen (vor allem Seitenruder) wegen der geringen Geschwindigkeit noch unwirksam sind.

(Jörg Hedty)

Beantwortung erfolgt demnächst ......

 

3 In welcher Weise bewirkte bei der AN-24 die mögliche  Wassereinspritzung der PTL-Triebwerke eine kurzzeitige Steigerung der Triebwerksleistung und damit höhere Startmassen beim Take-Off? (vom INTERFLUG.NET Forum)

Diese nicht ganz einfache Frage verlangt normalerweise eine Menge Grundkenntnisse zum genauen Verständnis. Allgemeine Erklärungen sind oft schnell oberflächlich gegeben und nicht immer völlig richtig. Zunächst muß man sich noch einmal die grundlegenden Eigenschaften des Medienflusses in einem Turbinentriebwerk vergegenwärtigen, da diese Eigenschaften, bzw. ihre Veränderungen, eine nachhaltigen Einfluß auf die Leistung eines Turbinentriebwerkes haben.

Um eine einfache Betrachtung überhaupt möglich zu machen, müssen eine Reihe von hinreichenden Vereinfacheungen vorgenommen werden. Das beginnt bei der Zustandsgleichung der idealen Gase.

 

4

Im IF-Forum fragte heiko 76:

Also hier die Frage ... bei meinen diversen Recherechen im Internet, etc ist mir aufgefallen das bei Flugzeugen die Triebwerke an verschiedenen Stellen angebracht sind ... während beispielsweise bei russischen Maschine wie IL62 oder TU 134 etc die Triebwerke im Heckbereich angebracht sind, sieht man wiederum bei Boeing oder Airbus die Triebwerke unter den Tragflächen.
In wie fern hat die eine oder andere Anordnung, Vor- oder/und Nachteile im Flugbetrieb, zB: in Bezug auf Handling etc...
(mal als fernen Vergleich - gibt es so relevante Unterschiede wie im PKW zwischen Front und Heckantrieb)
Oder ist es prinzipiell egal wie Triebwerke am Flugzeug angeordnet sind??
 


Vorläufige knappe Beantwortung der Frage (hier als tabellarische Betrachtung für Flugzeuge mit zwei Triebwerken):

Nein, heiko 76, das ist nicht egal und eine äußerst komplizierte Angelegenheit. Letztlich hat sich vorwiegend b durchgesetzt, aber wie immer gibt es etliche Ausnahmen.

 

TW- Anordnung

Einfluß der Triebwerksanordnung

 

Aerodynamik

Gewicht

Stabilität und Steuerbakeit

Komfort

Wartung und Konstruktion

a

In den Tragflächen, meist in der Trag-flächenwurzel, dort, wo die Tragfläche in den Rumpf eingeht

Minimaler Widerstand, dennoch dickes Profil in der Wurzel erforderlich, keine Landeklappe im Bereich der TW möglich, geringerer cLmax

sehr günstig, womöglich am leichtesten, allerdings Einschränkung des Tankvolumens

Sehr gut, sehr geringes Drehmoment (Yaw) um die Hochachse bei TW-Ausfall

Sehr schlecht, laut in der Kabine, Gefahr bei Zerstörung des Triebwerkes, TF-Holm über Niveau des Kabinenbodens (Comet), Stufe im Gang

schlechter Zugang, schlechte Erweiterungs-möglichkeit mit neuen TW, ohne Veränderung des TF, Probleme bei der Optimierung der TW-Einläufe (Inlets), da Überlappung mit Tragflügel

b

Unter den Tragflächen, meist an Gondelstielen (engl. Pylons)

Größte Design-Herausforderung wegen Interferenzwider-stand (je TW bis zu 4% des Gesamtwiderstandes eines Flugzeuges) , da eine starke Interaktion mit der Strömung an der Tragfläche besteht, ggf. auch Wellenwiderstand, da örtlich Überschall auftritt,

etwas günstiger bei längeren Gondelstielen,  wenn das wegen der Bodenfreiheit möglich ist, einfacher bei Hochdeckern wie dem Avro-Jet

Günstig für das Strukturgewicht, da die Triebwerke dort angebracht sind, wo der Auftrieb entsteht und somit die Biegemomente an der Flügelwurzel verringert werden

Je weiter vom Rumpf entfernt, desto schwieriger im Fall eines einseitigen TW-Ausfall zu steuern, Seitenruderdesign muß darauf abgestimmt sein, da das TW unterhalb des Schwerpunktes liegt entsteht ein Nickmoment bei Schubänderungen, das mit längeren Gondelstielen zunimmt, bei Schuberhöhung entsteht aufbäumendes Moment

Meist gut, da Schwingugngen und Lärm gedämpft werden, je besser je weiter die TW vom Rumpf entfernt sind

Leichte Zugänglichkeit bei der Wartung, meist keine Leitern erforderlich, konstruktive Umrüstung auf andere Triebwerke begrenzt  möglich unter der Beachtung der Bodenfreiheit, ggf Formänderung an der Cowling
(s. Neuere B737 Cowlings), große Anfälligkeit für FOD

c

An Pylonen über den Tragflächen

(heute fast bedeutungslos)

Aerodynamiche Störung der Tragflügeloberseite erfordert relativ lange Stiele, Praktisch wurde dieses Design aufgegeben

Für die Gewichts- und Strukturbetrach-tung des Flügels ähnlich wie unter b.

Je nach Länge der Stiele, kaum Nickmomente oder sogar umgekerte Wirkung im Vergleich zu b, Yawneigung bei TW-Ausfall ähnlich wie b.

Lärmbelastung der Passagierkabine ist größer als unter b,

schlechte Zugänglichkeit für Wartung,  geringere Anfälligkeit für FOD, konstruktive Umrüstung auf andere TW bedingt möglich.

d

An Stielen (engl. Pods) seitlich am Heck
(podded Engines)

Freie ungestörte Tragflächen (clean wings), keine Störung der Hochauftriebshilfen,

Gefahr von Deep Stall am Höhenleitwerk bei großen Anstellwinkeln, hohes Leitwerk nötig

Schwereres Strukturgewicht, da kein Gewichtsaus-gleich zum Auftrieb existiert

Starker Gewichtseinfluß auf die Längsstabilität, was Tragflächen nach hinten verschiebt und wirksames Höhenruder und Tail erfordert, geringe Yaw-Neigung bei TW-Ausfall, leichter steuerbar

Lärmbelastung gering oder nur im hinteren Teil der Kabine (TU-134), in der Regel vibrationsarm,

bei größeren Flugzeugen erschwerte Zugänglichkeit durch hohe Leitern, Montagestände,
Nachrüstung mit anderen Triebwerken relativ einfach

 

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