Die alte INTERFLUG im www
Historische Betrachtungen zur einstigen DDR-Fluggesellschaft INTERFLUG

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23.11.2008

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Revision 2.0
Struktur der Interflug

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Die INTERFLUG wurde am 18. September 1958 als Gesellschaft fr den internationalen Flugverkehr mbH mit Sitz in Berlin gegrndet, nachdem die DDR das internationale Markenrecht auf die Fhrung des historischen Namens "Deutsche Lufthansa" verloren hatte. Die Deutsche Lufthansa (DDR) wurde zwar im Inland und sozialistischen Ausland noch eine Weile parallel zur neuen INTERFLUG betrieben, wird dann aber doch am 1. September 1963 in die INTERFLUG integriert und diese wird nun fortan als einheitliches Luftfahrtunternehmen der DDR gefhrt.

Erster Generaldirektor der INTERFLUG wird Karl Heiland.


Ab 1. Februar 1970 wird dann Kurt Dietrich, bislang Abt.-Leiter Luftverkehr in der Hauptverwaltung fr Zivile Luftfahrt der DDR, zum Generaldirektor berufen. Doch schon am 1. Februar 1978 erfolgt ein erneuter Wechsel und dem Generalmajor Dr. Klaus Henkes wird die Berufungsurkunde zum Generaldirektor der INTERFLUG bergeben.


Das war eine fr die Zivile Luftfahrt der DDR sehr tiefgreifende Entscheidung. Möglich schon, daß Herr Dr. Henkes eine stäkere Kämpfernatur hatte als jene Generaldirektoren, die wir zuvor hatten. Solche Posten werden ja nun mal nicht gewählt (zum Glck vielleicht auch). Darum geht  es auch nicht. Es ist soundso sehr schwer, eine allgemeine vergleichende Einschätzung zu geben, da sich das Bedingungsgefge ständig änderte. Die entscheidende Tatsache in diesem Zusammenhang  ist jedoch, dass der aktive General  Dr. Henkes bereits am 1. Juli 1975, also etwa 3 Jahre zuvor, zum Stellvertreter des Ministers fr Verkehrswesen und auch zum Leiter der einst am 1. Januar 1961 gegrndeten Hauptverwaltung der Zivilen Luftfahrt, HVZL, berufen worden war. Er löste damals Paul Wilpert ab. Das war an sich eine Ämterkombination, die in einem kleine Land wie die DDR durchaus zu vertreten war und sogar Sinn machte. Doch nun (1978) trennt sich der Herr General Henkes zwar direkt von der HVZL (mir erscheint es offensichtlich, dass Dr. Henkes an dieser Entscheidung selber den größten Anteil hatte), bleibt aber weiterhin, nun eben als der Generaldirektor der INTERFLUG, der  Stellvertreter des Ministers fr Verkehrswesen und damit zugleich der direkte Vorgesetzte der HVZL. Ein exellenter Schachzug eines intelligenten Machtmenschen. Eine strategische Generals-Variante fr die man damals sicherlich ausreichend gute Begrndungen finden konnte. Nur leider änderte sich das später dann nie mehr, selbst als dann, u.a. durch Dr. Henkes selbst, ganz andere Bedingungen geschaffen worden waren.

Kurt Dietrich, der zum Leiter der HVZL "umgesetzt" wird, mutiert damit aber faktisch zu einer Schattenfigur auf ziemlich aussichtslosem Posten. Er darf zwar seine Arbeit machen, doch die fälligen staatlichen Entscheidungen und Einflußnahmen auf die INTERFLUG sollten immer lieber gleich so ausfallen, dass sie dem Geraldirektor der INTERFLUG auch gefallen, denn der ist ja nun der unmittelbare Dienstherr von Herrn Dietrich. Jeder mag sich gut vorstellen wie fortan das Spannungsfeld zwischen staatlicher Aufsicht und Leitung und volkseigener Produktion im Kombinat INTERFLUG ausgesehen hat oder von Henkes unter Kontrolle gehalten werden mußte.  Die Katze biß sich ewig in den Schwanz. Wie gut oder nicht gut das funktionierte, hing nur noch von einer Person ab, General Dr. Henkes. Zum unserem großen Glck war dieser Mann, bei so manchen Schwächen, doch eigentlich ein Glcksgriff. Der wirkliche "Aufsichtsrat" war bald nur noch das Politbro, nicht einmal der Minister fr Verkehrswesen, so hoch pokerte die INTERFLUG unter Dr. Henkes mit ihrer Sonderstellung in der DDR-Volkswirtschaft..Andere Quellen versichern, daß Willi Stoph unter Umgehung des Verkehrsministers direkten Einfluß auf die INTERFLUG ausbte.

 

Neben der HVZL war damit natrlich auch die am 1. Januar 1968 gebildete und von Dr. Mudrack geleitete Staatliche Luftfahrtinspektion, SLI, betroffen. Es dauerte dann auch nicht lange, bis sich Herr Dr. Henkes indirekt des Leiters der SLI, Dr. Mudrack, entledigte (der dann als Professor an der Humboldt Universität endete) und dort einen altgedienten Militär installierte, den ebenfalls von den Luftstreitkräften kommenden ehemaligen Oberstleutnant Theodor Dadsitz, der später durch einen weiteren Militär der LSK/LV, Oberstleutnant Werner Rösler, ersetzt wurde. Beide waren ja das Empfangen von Befehlen eines Generals hinreichend gewohnt. Da sollte nun nichts mehr schiefgehen - fr Dr. Henkes jedenfalls. Seit dem 1. Februar 1978 herrschte de facto in der zivilen Luftfahrt der DDR ganz bewußt nur noch ein Mann, Generalmajor Dr. Klaus Henkes, der dann in den 80zigern auch noch zum Generalleutnant befördert wird und nur noch durch Honecker selbst, das Politbro, den Ministerpräsidenten (Vorsitzender des Ministerrats) oder den Minister fr Nationale Verteidigung so richtig zu bremsen ist. Eine perfekte Machtstruktur der kurzen Entscheidungswege. Nur wissen wir heute, daß so etwas auf lange Dauer auch ziemlich kontraproduktiv werden kann.


Die INTERFLUG war zwar nach außen im internationalen Umfeld eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), jedoch im Inland im ganzen Umfang ein Volkseigener Betrieb (VEB), in späterer Ausprägung ein typisches Kombinat der DDR-Wirtschaft, mit verschiedenen Betrieben und Betriebsteilen. Das Kombinat INTERFLUG wurde von einem Generaldirektor geleitet, wie andere DDR-Kombinate (vormals VVB) auch, während den Betrieben und den nachfolgenden Betriebsteilen jeweils ein Direktor vorstand. Dazu gehörten dann noch die entsprechenden Stabsabteilungen, so daß der Verwaltungskomplex schon beträchtliche Ausmaße annahm.  Sitz der Generaldirektion und der verschiedenen Betriebe war gemeinsam der Standort Flughafen Schönefeld.

Dort saßen auch die Hauptverwaltung der Zivilen Luftfahrt (HVZL) und die Staatliche Luftfahrtinspektion (SLI), beides Nachfolgeeinrichtungen des Ministerium fr Verkehrswesen in der Krausenstraße in Berlin (das ehemaliges Reichsluftfahrtministerium von Göhring), Hauptstadt der DDR. Die meisten geschichtsträchtigen Bauten Berlins befanden sich ja nun einmal im Ostteil der Stadt. Die Russen hatten ja Berlin eingenommen.

 

(Die folgenden Angaben beziehen sich auf die Endphase, die letzten Jahre der INTERFLUG, denn in den frhen Jahren hatte es andere Formen und öfter Umstrukturierungen gegeben.)

 

Die Betriebe der INTERFLUG waren:

  • Verkehrsflug (VF), Herr Direktor Kurt Zube

  • Flughäfen (FH), Herr Direktor Eberhard Aschenbach (ab wohl 1989 Herr Matthias Prokoph und als Stellv. Herr  Klaus Sawkin, Herr Aschenbach wurde Vertreter der IF in Prag)

  • Flugsicherung (FS), Herr Direktor Ottmar Spangenberg

  • Agrarflug (AF), Herr Direktor Wilhelm Gorzel

  • Fernerkundung, Industrie- und Forschungsflug (FIF), Herr Direktor Siegfried Gottschling

Alle Betriebe deckten die gesamte Bandbreite der Zivilen Luftfahrt der DDR ab.

 

Die INTERFLUG war Träger vieler staatlicher Auzeichnungen. Darunter:

  • Karl Marx Orden (1.Mai 1980)

  • Großer Stern der Völkerfeundschaft

  • Banner der Arbeit, Stufe I (1975)