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Die INTERFLUG wurde
am 18. September 1958 als Gesellschaft fr den internationalen
Flugverkehr mbH mit Sitz in Berlin gegrndet, nachdem die DDR das internationale
Markenrecht auf die Fhrung des historischen Namens "Deutsche
Lufthansa" verloren hatte. Die Deutsche Lufthansa (DDR) wurde zwar im
Inland und sozialistischen Ausland noch eine Weile parallel zur neuen INTERFLUG betrieben, wird dann
aber doch am 1. September 1963 in die INTERFLUG integriert und diese wird nun fortan als einheitliches Luftfahrtunternehmen der
DDR gefhrt.
Erster Generaldirektor der INTERFLUG wird Karl Heiland.
Ab 1. Februar 1970 wird dann Kurt Dietrich, bislang Abt.-Leiter Luftverkehr in
der Hauptverwaltung fr Zivile Luftfahrt der DDR, zum Generaldirektor berufen.
Doch schon am 1. Februar 1978 erfolgt ein erneuter Wechsel und dem Generalmajor Dr. Klaus
Henkes wird die Berufungsurkunde zum Generaldirektor der INTERFLUG bergeben.
Das war eine fr die Zivile Luftfahrt der DDR
sehr tiefgreifende Entscheidung. Möglich schon, daß Herr Dr. Henkes eine stäkere
Kämpfernatur hatte als jene Generaldirektoren, die wir
zuvor hatten. Solche Posten werden ja nun mal nicht gewählt (zum Glck
vielleicht auch). Darum geht
es auch nicht. Es ist soundso sehr schwer, eine allgemeine vergleichende Einschätzung zu geben, da sich das
Bedingungsgefge ständig änderte. Die entscheidende Tatsache in diesem Zusammenhang
ist jedoch, dass der aktive General Dr. Henkes bereits am 1. Juli 1975,
also etwa 3 Jahre zuvor,
zum Stellvertreter des Ministers fr Verkehrswesen und auch zum Leiter der
einst am
1. Januar 1961 gegrndeten Hauptverwaltung der Zivilen Luftfahrt, HVZL,
berufen worden war. Er löste damals Paul Wilpert ab. Das war an sich eine Ämterkombination, die
in einem kleine Land wie die DDR durchaus zu
vertreten war und sogar Sinn machte. Doch nun (1978) trennt sich der
Herr General Henkes
zwar direkt von der HVZL (mir erscheint es offensichtlich, dass Dr. Henkes an dieser
Entscheidung selber den größten Anteil hatte), bleibt aber weiterhin, nun eben als der
Generaldirektor der INTERFLUG, der
Stellvertreter des Ministers fr Verkehrswesen und damit zugleich der direkte Vorgesetzte
der HVZL. Ein exellenter Schachzug eines intelligenten Machtmenschen. Eine
strategische Generals-Variante fr die man damals sicherlich ausreichend gute
Begrndungen finden konnte. Nur leider änderte sich das später dann nie mehr,
selbst als dann, u.a. durch Dr. Henkes selbst, ganz andere Bedingungen
geschaffen worden waren.
Kurt Dietrich, der zum Leiter der HVZL "umgesetzt" wird, mutiert damit aber faktisch zu einer
Schattenfigur auf ziemlich aussichtslosem Posten. Er darf zwar
seine Arbeit machen, doch die fälligen staatlichen Entscheidungen und
Einflußnahmen auf die INTERFLUG sollten immer lieber gleich so ausfallen, dass sie dem
Geraldirektor der INTERFLUG auch gefallen, denn der
ist ja nun der unmittelbare Dienstherr von Herrn Dietrich. Jeder mag sich gut
vorstellen wie fortan das Spannungsfeld zwischen staatlicher Aufsicht und
Leitung und volkseigener Produktion im Kombinat INTERFLUG ausgesehen hat oder von Henkes unter Kontrolle gehalten werden mußte. Die Katze biß sich ewig in den Schwanz.
Wie gut oder nicht gut das funktionierte, hing nur noch von einer Person ab,
General Dr. Henkes. Zum unserem großen Glck war dieser Mann, bei so manchen
Schwächen, doch eigentlich ein Glcksgriff. Der wirkliche "Aufsichtsrat" war
bald nur noch das Politbro, nicht einmal der Minister fr Verkehrswesen, so
hoch pokerte die INTERFLUG unter Dr. Henkes mit
ihrer Sonderstellung in der DDR-Volkswirtschaft..Andere Quellen versichern, daß
Willi Stoph unter Umgehung des Verkehrsministers direkten Einfluß auf die INTERFLUG ausbte.
Neben der HVZL war damit natrlich auch die am 1. Januar 1968 gebildete und von Dr. Mudrack geleitete Staatliche
Luftfahrtinspektion, SLI, betroffen. Es dauerte dann auch nicht lange,
bis sich Herr Dr. Henkes indirekt des Leiters der SLI, Dr. Mudrack, entledigte
(der dann als Professor an der Humboldt Universität endete) und dort
einen altgedienten Militär installierte, den ebenfalls von den Luftstreitkräften
kommenden ehemaligen Oberstleutnant Theodor Dadsitz, der später durch einen weiteren Militär der LSK/LV,
Oberstleutnant Werner Rösler, ersetzt wurde. Beide waren ja das Empfangen von Befehlen
eines Generals hinreichend gewohnt. Da sollte nun nichts mehr schiefgehen - fr
Dr. Henkes jedenfalls. Seit dem
1. Februar 1978 herrschte de facto in der zivilen Luftfahrt der DDR
ganz bewußt nur noch ein Mann, Generalmajor Dr. Klaus Henkes, der dann in den
80zigern auch noch zum Generalleutnant befördert wird und nur noch durch
Honecker selbst, das Politbro, den Ministerpräsidenten (Vorsitzender des
Ministerrats) oder den Minister fr Nationale Verteidigung so
richtig zu bremsen ist. Eine perfekte Machtstruktur der kurzen
Entscheidungswege. Nur wissen wir heute, daß so etwas auf lange Dauer auch ziemlich
kontraproduktiv werden kann.
Die INTERFLUG war zwar nach
außen im internationalen Umfeld eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung
(GmbH), jedoch im Inland im ganzen Umfang ein Volkseigener Betrieb (VEB),
in späterer Ausprägung ein typisches Kombinat der DDR-Wirtschaft, mit
verschiedenen Betrieben und Betriebsteilen. Das Kombinat INTERFLUG wurde von einem Generaldirektor geleitet, wie andere DDR-Kombinate (vormals VVB) auch, während den Betrieben
und den nachfolgenden Betriebsteilen jeweils ein Direktor vorstand. Dazu
gehörten dann noch die entsprechenden Stabsabteilungen, so daß der
Verwaltungskomplex schon beträchtliche Ausmaße annahm. Sitz der Generaldirektion
und der verschiedenen Betriebe war gemeinsam der Standort Flughafen Schönefeld.
Dort saßen auch die Hauptverwaltung der Zivilen Luftfahrt
(HVZL) und die Staatliche Luftfahrtinspektion (SLI), beides
Nachfolgeeinrichtungen des Ministerium fr Verkehrswesen in der Krausenstraße in
Berlin (das ehemaliges Reichsluftfahrtministerium von Göhring), Hauptstadt der DDR.
Die meisten geschichtsträchtigen Bauten Berlins befanden sich ja nun einmal im
Ostteil der Stadt. Die Russen hatten ja Berlin eingenommen.
(Die folgenden Angaben beziehen sich
auf die Endphase, die letzten Jahre der INTERFLUG, denn in den frhen Jahren
hatte es andere Formen und öfter Umstrukturierungen gegeben.)
Die Betriebe der INTERFLUG waren:
-
Verkehrsflug (VF), Herr Direktor Kurt Zube
-
Flughäfen (FH), Herr Direktor Eberhard
Aschenbach (ab wohl 1989 Herr Matthias Prokoph und als
Stellv. Herr Klaus Sawkin, Herr Aschenbach wurde Vertreter der IF in Prag)
-
Flugsicherung (FS), Herr Direktor Ottmar Spangenberg
-
Agrarflug (AF), Herr Direktor Wilhelm Gorzel
-
Fernerkundung, Industrie- und Forschungsflug
(FIF), Herr Direktor Siegfried Gottschling
Alle Betriebe deckten die gesamte Bandbreite der Zivilen
Luftfahrt der DDR ab.
Die INTERFLUG war
Träger vieler staatlicher Auzeichnungen. Darunter:
-
Karl Marx Orden (1.Mai 1980)
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Großer Stern der Völkerfeundschaft
-
Banner der Arbeit, Stufe I (1975)
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