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Version 1.10 06. April 2008
Auf dieser Seite möchte ich einige Begriffe und Abkürzungen
aus dem Sprachgebrauch und Schriftverkehr der INTERFLUG und der
Zivilluftfahrt
dem geneigten aber oft doch unwissenden Publikum näher bringen. Manche Begriffe werden
durch Einzigartigkeit glänzen, Verwunderung oder gar Spaß hervorrufen, denn
hinterher kann man immer gut lachen. (manche leider nicht, darum ist manchen
bereits wieder gestrichen worden)
Im Moment bin ich aber noch zurückhaltend, da ich ein System der
Darstellung suche, das sowohl Übersichtlichkeit, alphabetische Selbstordnung,
vielleicht Volltextsuche garantiert und sicher funktioniert. Hilfen sind willkommen!
Hier vorab einige Beispiele:
| Solidaritätsflüge |
... waren eine besondere Art von
Charterflügen, in diesem Fall für das Solidaritätskomitee der DDR. Bei diesen Flügen
wurden Hilfs-Güter (Solidaritätsgüter) in bedürftige Länder oder
Regionen transportiert. Diese Güter wurden aus dem Solidaritätsfond der DDR
bezahlt. Eingezahlt wurde in diesen Fond auf verschiedene Weise, z.B.
mittels Soli-Marken, die zusätzlich zum FDGB-Beitrag vertrieben wurden,
mittels Solibeitrag in Prozenthöhe zusätzlich zu einem anderen Beitrag, z.B.
Parteibeitrag, mittels Erlösen aus sogenannten Soli-Basaren, auf denen
private Spendengüter, gebastellte Gegenstände veräußert wurden, oft als
sogenanntes "Kunstgewerbe" bezeichnet, oft auch gemeinsame
Blutspende-Aktionen von Arbeitskollektiven, deren Entgelte dann dem
Solidaritätsfond gutgeschrieben wurden und viele andere Möglichkeiten. |
| schädliche Routine |
... ein vor allem in der TU-134(A)
Flugstaffel häufig benutzter Begriff, der charakterisieren sollte, wie
Automatismen, gefestigte Handlungsabläufe, also an sich positive und
notwendige Drills in einer ständig wechselnden Arbeitsumgebung
(verschiedenene Cockpitauslegungen) schnell zu Fehlhandlungen führen können,
wenn dabei die nötige besondere bewußte Vorgehensweise zu sehr
vernachlässigt wird. Ein Schalter war eben in einer TU-134(A) nicht
unbedingt in jedem Flugzeug an der gleichen Stelle. Der Begriff selbst und
der Kampf dagegen war oft eine Verarschung aller vernünftigen ergonomischen
Prizipien und doch andererseits der einzige Ausweg aus dem Cockpit-Dilema TU-134. |
| Cockpit-Kommision |
Gab es Probleme größerer Art, die das
normale Arbeitspensum der Leitungen der Struktureiheiten (Abteilungen,
Staffeln, etc.) bei weitem überstiegen oder übersteigen würden, wurden
sogenannte Kommissionen oder Arbeitsgruppen gebildet. Die setzen sich ein
der Regel aus freiwilligen Mitarbeitern zusammen, konnten aber im Einzelfall
auch vom dienstlichen Leiter beauftragt oder dazu "gedrängelt" werden. Dabei
wurde meist auf eine ausgewogene Zusammensetzung geachtet. Diese
Arbeitskreise hatten dann das jeweilige Problem zu beraten,
Lösungsvorschläge zu erarbeiten, diese mit den staatlichen Leitern
abzustimmen und ihre Umsetzung voranzutreiben. Bei der Cockpitkommission
ging es z.B. um die Vereinheitlichung und ergonomische Verbesserung der
Cockpitgestaltung, insbesondere hier bei der TU-134(A). Es ging auch immer
der Spruch um: "Wenn ich nicht mehr weiter weiß, bilde ich einen
Arbeitskreis." Heute nennt man das auf Neudeutsch "Task Force". Eine Extra
Bezahlung war in den meisten Fällen nicht drin. Oft wurde dann auf andere
Weise nach einer Kompensation gesucht, z.B. Vergabe besonderer Flüge im
Dienstplan, was oft dann den Unmut der anderen Kollegen hervorrief oder
Durchschnittsbezahlung für die Zeit der Freistellung zu dieser Aufgabe,
falls erforderlich und ähnliches. |
| ILS |
Instrumenten-Lande-System,
bestehend aus zwei bodenseituigen Sendern, jeweils für die elektronische
Kursebene (Localizer) und die elektronische Gleitebene (Glideslope), sowie
der bordseitig dazugehörigen Empfänger und Anzeigegegräte. Die Schnittlinie
beider Ebenen (Kurs- und Gleitebene) stellte den zu folgenden Path
(Leitstrahl) dar, dem der Pilot folgen muß. Dazu muß
der Pilot so steuern muß, dass er die Kommandonzeigen (zwei Bars im
Anzeigegerät) beider Sender auf
seinem Anzeigegerät genau mittig halten muß. Dabei ist diesen Zeigern zu
folgen, wenn sie aus der Mitte auslaufen, damit sie dorthin zurückkehren
(zugleich horizontal wie vertikal) Das System wird weltweit eingesetzt und
wurde später durch das MLS (Microwellen Landesystem) verbessert und erweitert (auch Kurvenverläufe
sind möglich). Die UdSSR hatte zusätzlich ein eigenes, vor allem für das
Miltär zum Einsatz kommendes System, "KURS MP-50", was aber sinngemäß das
gleiche war, vorwiegend nur andere Frequnzen benutzte. Damit waren andere
oder aber umschaltbare Empfänger erforderlich, wie sie z.B. in der TU-134
(A) noch zu finden waren. Spätere Systeme, wie SP-70 waren ICAO konform. |
| "Hühner" "Die Mädels"
"Hinterhaus"
"Die Männer" |
Bei den Cockpitbesatzungen der
INTERFLUG scherzhafter Begriff zur Bezeichnung
der weiblichen Kabinenbesatzung (bei IF: Stewardessen). Warum? Ich weiß es
nicht genau. Es war lange vor meiner Zeit entstanden. Die Stewardessen
traten ja meist in Scharen auf (wie die Hühner), "gackerten" oft viel rum
(AN-24 auf jeden Fall ausgenommen, TU-134 meist auch) ,
liefen oft wie aufgescheucht durch die Kabine, sprangen auch herum und
"gackerten" zurück, wenn gewisse Passagiere mal nach die "Schwanzfedern" greifen wollten.
Eine andere mir bekannte Erklärung will ich lieber hier nicht aufreihen.
Seltsam, aber niemand hat jemals die paar Stewards als Hähne bezeichnet. Die
meisten von ihnen waren vielleicht auch nicht der ausgesprochene Hahn-Typ.
Mehr gesellschaftsfähig war der Pauschalbegriff "die Mädels"
für das weibliche "Hinterhaus", während im Cockpit "die Männer"
saßen. Weibliche Piloten hatte die INTERFLUG
nicht. Die paar Männer in der Kabine fielen unter den Tisch. |
| "Brückenzoll" oder kurzer Ausruf "Brücke" |
Fragt mal lieber die IL-62 Leute. (z.B. am letzten Freitag im
November eines jeden Jahres in den Amtsstuben in Schönefeld) |
| CBT |
Computer Based Training |
| VACBI |
Video And
Computer Based Instruction (bei
INTERFLUG erstmals mit der Einführung des A-310 angeschafft und im
Fliegertrainingszentrum in der Schützenstrasse (heute Lufthansa) in
Schönefeld genutzt, VACBI wurde von Airbus 1981 für das A-310 Prgramm
eingeführt und wurde später zum Markenzeichen der Airbus
Trainingsorganisation Aeroformation.
VACBI war der erste Schritt während
des Transitiontrainings, welches durchweg nun auf den folgenden
pädagogischen Prinzipien beruhte:
- vermittelt werden nur unbedingt nötige informationen (need-to.know)
- trainiert wird bis zum erreichen eines professionellen Levels (train to
proficiency)
- lerne durch Ausführung/Nutzung/Manipulation (learning by doing)
Dennoch lieferte damals wie heute VACBI (CBT) auch einige zusätzliche
Informationen (nice-to-know), welche dann selbst in den Aircraft Operational
Manuals (AOM) oft nicht zu finden sind, warum sich auch später nach dem
Transition-Training eine Nutzung von CBT immer noch lohnt. Mangel ist die
fehlende periodische Update-Pflicht der CBT-Daten, warum Vorsicht geboten
ist. Rechtsverbindlich im täglichen Betreib ist allein das AOM, basierend
auf dem von der Behörde bestätigtem AFM, welches an Bord ebenfalls
mitgeführt werden muß. Heute oft schon in elektronischer Form als pdf-file..
VACBI bestand aus Arbeitspaltzrechnern
(Workstations), welche mit einem Leser (reader) für Video-Platten verbunden
waren. Dort konnte das gesamte Programm (courseware) klar gegliedert
abgerufen und durchgearbeitet werden, dabei bestimmt der Student das Tempo
selbst, Wiederholungen sind jederzeit möglich. Das Material ist anschaulich
aufbereitet und durch z.T. interaktive Animationen und Filmsequenzen
unterlegt.
Für einen VACBI Kurs (heute spricht
man meist nur noch von CBT, Video Platten gibt es nicht mehr, alle
Daten liegen auf einem zentralen Server) werden im Regelfall 14 Tage
eingeplant, gefolgt dann vom Fixed Based Simulator, FBS, und dem Full
Flight Simulator, FFS. Beim Fixed Based Simulator handelt es sich
meist um den gleichen Full Flight Simulator, es wwerden nur die Motion und
oft auch die Vision nicht zugeschaltet. Alle Geräteanzeigen und
Bedienelemente verhalten sich ansonsten wie bei einem FFS. Es wird nahezu
ausschließlich mit Autopilot "geflogen" Viele Airlines nutzen heute für den
FBS zur Kostendämpfung erfahrene Copiloten als Instructeure.
Das von Interflug gekaufte VACBI
basierte noch auf Intels 80286-Prozessoren und kann mit heutigen CBT-Systemen
kaum noch verglichen werden. Immer mehr Airlines und Hersteller drücken
ihren Studenten einfach einen Satz CD's in die Hand und man kann seinen
CBT-Course auch am heimischen Computer bzw. Laptop durchführen. Neben Video
ist auch Audio weitgehend verbessert worden, man sieht nicht nur, man
bekommt erklärt. Alles in Englisch natürlich. |
| ETOPS |
Extended Twin Operations
Zu diesem Thema gab es bei der Interflug mehr als eine Unklarheit, aber
nicht nur dort, auch bei der SLI wurde so manchés durcheinandergebracht. So
wurde anfänglich immer von EROPS (siehe
Antrag des VF an die HVZL) gesprochen, später dann ETOP mit Extended
Range Operation übersetzt (siehe
FZH-310).
Als ich einmal mit dem Abteilungsleiter Technik Günter Berger bei uns im
Hause darüber sprach, fiel der aus allen Wolken, denn niemand hatte
offensichtlich an der Bezeichnung EROPS bis dato gezweifelt. Dabei hätte man
sich nur einmal in den Lesesaal der Dokumentations- und Informationsstelle
der Interflug setzen müssen, wie ich es ja auch getan hatte. Ich werde
sicherlich später einmal eine eigene Seite zu ETOPS einrichten. Inzwischen
mag der Artikel von
Dr.-Ing Rolf Stüssel von der DLH ausreichen. |
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