Die alte INTERFLUG im www
Historische Betrachtungen zur einstigen DDR-Fluggesellschaft INTERFLUG

last updated:
04-Dez-2010

see Revision page


Revision 3.0
DDR-SCZ

Home
Up

Auf dieser Seite will ich mit einigen Bildern die DDR-SCZ, Werks-Nr. 93 50 913, eine klassische N-Variante der TU-134, vorstellen. Die DDR-SCZ wurde im Dezember 1969 an die Luftstreitkräfte/Luftverteidigung  (LSK/LV) der NVA mit der Kennzeichnung 177 und der Registrierung (auch int. Funkrufzeichen) DM-VBB ausgeliefert.  Sie war bis zum 1. Dezember 1975 im Bestand der sogn. Regierungsstaffel, dem Transportgeschwader TG-44, in Marxwalde und wurde dann zur INTERFLUG "abgestoßen".  Am 01.12. 1975 soll sie gleichzeitig auch zur DM-SCZ umregistriert worden sein und bekam später in der Phase der erneuten Umregistrierung unter Henkes am 2. APR 1981die Kennung DDR-SCZ . Warum gerade diese Maschine die Kennung Z bekam, den letzten Buchstaben im Alphabet, obwohl alle N-Varianten von A bis H gekennzeichnet wurden, während man DM-SCC nicht vergab, bleibt mir rätselhaft. Die Außerdienststellung erfolgte am 8. März, dem Internationalen Frauentag, des Jahres 1986 mit einem letzten Flug nach Dresden. Kapitän dieses Fluges war Flugzeugführer-Ing. Jürgen "Jodle" Jagenholz, der Copilot war Dipl.-Ing.(FH) Dietmar Helm und Navigator war Dipl.-Ing. Dieter Rhode. Der Take Off erfolgte 05:28 UTC in SXF und die Landung 05:58 UTC in DRS. Die lange Flugzeit von 30 Minuten resultierte daraus, dass das Fahrwerk nicht mehr eingefahren werden konnte. Auch das Seitenleitwerk hatte einen Riß, der jedoch als unkritisch begutachtet worden war. An Bord waren zusätzlich 11 Techniker der INTERFLUG, die dann die Maschine für den weiteren Transport zerlegen sollten.  Da die Maschine schon nicht mehr im besten Zustand war, ließ es sich unser "Jodle" nicht nehmen, noch einmal bei der Landung in Dresden den Bremsschirm einzusetzen. So versichert uns jedenfalls Dieter Rhode. Einfach zu schade, daß ich davon kein Bild habe. Es sollen aber Bilder gemacht worden sein. Am 23.04.1986 wurde die DDR-SCZ dann auch im Luftfahrtregister der DDR gestrichen.

 

Unser Direktor Flugtechnik Verkehrsflug, Herr Dipl.-Ing. Harald Franke, ein gebürtiger Bernsdorfer, hatte die Idee die DDR-SCZ aus Anlaß der 700 Jahr-Feier des Ortes Bernsdorf dort aufzustellen. In der Nacht vom 14. zum 15. Mai 1986 wurde das Flugzeug auf drei Lastkraftwagen und zwei Spezialfahrzeugen auf dem Landwege von Dresden nach Bernsdorf verbracht. Sie wurde dort im Freizeitzentrum von Bernsdorf (das Bernsdorf bei Chemnitz) aufgestellt am Eröffnungstag der Festwoche zur 700 Jahrfeier festlich eingeweiht. Sie später als technisches Denkmal auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sich einstellende Schäden am Fahrwwerk, begrenzten dann wohl die Besichtungen auf die Außenansicht. Reparaturen waren für die kleine Gemeinde nicht zu finanzieren. Deshalb verkaufte die Gemeinde das FLugzeug zunächst an einen Interessenten aus Passau. Nach Verhandlungen wurde die Maschine dann jedoch an den Luftfahrt und Technik Museumspark in Merseburg verkauft. Nach der Demontage des Flugzeuges in Bersdorf gelangte der Rumpf dann vom 22. bis 23. Mai 2001, beginnend abends 20:35 Uhr, nach Merseburg. Die restlichen Teile folgten in der Nacht vom 7. zum 8. Juni 2001.
 



Wir haben gehört, daß es Überlegungen gibt/gab, dem Flugzeug seine Erstbemalung und die NVA-Kennung 177 zurückzugeben. Es ist natürlich nicht unsere Entscheidung, aber wir würden das sehr, sehr bedauern, da dieses Flugzeug den weitaus überwiegenden Teil seines "Lebens", vor allem den seiner sinnvollen Nutzung, bei der INTERFLUG verbracht hat und dort auch "in Ehren entlassen" worden ist. Wir gestehen allerdings ein, daß das Flugzeug dringend eine Erneuerung des Anstrichs benötigt. Die Vorschläge unserer Experten der IF-Flugtechnik Verkehrsflug findet man dazu auf unserer News-page.

 

Dieses Flugzeug befindet sich also heute im Museumspark in Merseburg  (die Schreibweise stammt von dort !), Fotoerlaubnis ist möglich (außer IL-62 Cockpit), Eintrittspreise sind moderate:

"Luftfahrt und Technik Museumspark"

Naumburger Strasse 9

06259 Frankleben

Tel. 034637 / 600 81

Fax: 034637 / 600 82

Öffnungszeiten:

15 APR - 14 OCT

Di.-Do: 9-17 Uhr

Fr: 9-14 Uhr

Sa, So, Feiertag:  10-18 Uhr

Öffnungszeiten

15. OCT - 14. APR

Di - Do.: 9-16 Uhr

Fr.: 9-14 Uhr

Sa, So, Feiertasg: 10-17 Uhr

letzter Einlaß eine Stunde vor Schließung !

Hier kommen nun einige Bilder der DDR-SCZ, so wie sie im Herbst 2003 in Merseburg zu finden war. Alle Bilder können für die nichtkommerzielle Eigennutzung (auch für Webpages) unter Angabe der Herkunft benutzt werden. Ich signiere die Bilder nur darum digital (Software der Firma Digimarc), um eine ungefragte kommerzielle Nutzung zu unterbinden.  Bei beabsichtigter kommerzieller Nutzung bitte ich um Anfragen. Da gibt es dann natürlich auch die Original-Bilder, die wesentlich größer (ca. 2 1/2-fach) und weniger komprimiert sind und sich für gute A4-Drucke eignen. Alle Bilder wurden mit der Canon EOS-10D gemacht, da ich nach Nikon D-1 und D-1x reuevoll wieder ins Canon-Lager zurückgekehrt bin.

Zur größeren Einzelansicht einfach auf die Bilder klicken und dann mit der Rücktaste des Browsers wieder auf diese Seite zurückkehren.

Über diese feste Treppe gelangt man in Merseburg in das Flugzeug. Oben auf der Treppe angekommen, hat man einen guten Blick auf die linke Tragfläche. Nach vorn ein Blick auf die "Nase", die typische "Glasnase" der TU-134N. INTERFLUG hatte damit bereits 1968 Glass-Cockpit eingeführt. Betritt man das Flugzeug gelangt man rechts an ein Gitter, welches den Zugang zur Kabine behindern soll.
Zum Glück bietet das Gitter weiterhin die Möglichkeit für Fotos. Die Sitze im IF-typischen Rot, die weißen Kopfbezüge fehlen hier allerdings. Zu sehen dadurch die Kopfmulde an den Sitzen. Bevor es ins Cockpit geht, hier zunächst ein Blick auf das Licht- und Container-Heizungspanel in der Galley. Zur linken Seite folgt dann der Durchgang zum Cockpit, wobei hier nicht mehr viel "Original" erhalten ist. Die erste Tür fehlt, die zweite Tür sah anders aus, beide original aus Metall und mit je drei Verriegellungen versehen. Ein Blick ins Cockpit, sowie ein Foto, ist nur durch eine Scheibe in der Tür möglich. Vorteil: Es sind noch alle Instrumente vorhanden.
Eine andere Sicht zum Cockpit mit etwas mehr Abstand. Gut zu sehen in der Mitte das bewegliche Radarsichtgerät für die Piloten. Wieder außßen angelangt, werfen wir einen Blick auf die "Glasnase", hinter der der Navigator seinen Arbeitspaltz hatte, wie wir gerade noch oben gesehen haben. Gehen wir herum auf die rechte Seite, finden wir eine weitere Tür, die sich innen zwischen den beiden Türen zum Cockpit befand und zur Beladung des vorderen Landeraums nötig war. Sie konnte auch zur Notevakuierung mitgenutzt werden, war jedoch nur mit einer Segeltuchrutsche ausgestattet. Über den Tragflächen befanden sich auf jeder Seite zwei zusätzliche Notausstiege über die man im Falle der Evakuierung das Flugzeug über die Tragfläche und die ausgefhrenen Landklappen verlassen konnte. Gut zu sehen der inzwischen sehr schlechte Zustand des Farbanstrichs. Nach über 15 Jahren ohne Wartung Korrosion überall.
Hier ein Blick von rechts vorne, welcher an alle typischen Merkmale dieses schönen Flugzeuges erinnernt: Schlanker Rumpf, hohes, kräftiges Fahrwerk, gepfeilte Flügel mit negativer V-Form, hohes T-Leitwerk, Triebwerke am Heck. Auf der rechten Tragfläche erkennen wir die beiden Grenzschichtzäune, die eine zu starkes "Abfliessen" der Grenzschicht bei dem um etwa 35 Grad gepfeilten Flügel behindern soll. Rechts weiter hinten angekommen, finden wir die Aufhängung des rechten Triebwerkes D-30 in einer Cowling. Intake und Exaust sind abgedeckt. Die darunter befindliche offene Luke zum hinteren Frachtraum läßt erahnen wie leicht hier mit Förderbändern eine Beschädigung der Cowling möglich war und etliche Male vorkam. Hier das T-Leitwerk in seiner ganzen Pracht und seinen Ausmaßen. Oben in der "Keule" zwischen den Hälften der Höhenflosse steckte der Verstellmechanismus für die Trimmung der Flosse, sowie vorn im Horn die HF-Antenne.
Unter dem Heck (tail) finden wir nun die Türen des Behälters für den Bremsschirm. Zum Schließen dieser doors war ein spezieller Schlüssel nötig. Um daran zu kommen, wurde meist eine Gangway benutzt. Auf der linken Seite finden wir das symetrisch aufgehängte rechte D-30, welches ebenfalls mit einem "Triebwerksdeckel" abgedeckt war. Ob da wirklich noch Triebwerke in den cowlings stecken, kann man nur raten. Kriechen wir unter die linke Tragfläche, läßt sich das linke Hauptfahrwerk aus der Nähe betrachten. Ein typisch russisches Tandem-Fahrwerk mit zwei Achsen und 4 Reifen. Offen bleiben die kleinen Klappen and der mächtigen Gondel. Zu sehen auch ein Landescheinwerfer in eingefahrener Position. Oben auf dem Rumpf eine VHF-Antenne, von der eine zweite für die andere Station sich unter dem Rumpf befindet.
alle Bilder © by Capt. Gerd Ritter
Auf der linken Seite vor der Einstiegstür findet man sowohl den Geber für den Gesamtdruck wie auch den kleinen Meßflügel (richtet sich in der Umströmung aus) für den Anstellwinkelgeber im Cockpit. Noch ein ein Blick zurück - mit Abstand - bevor wir die tiefen Eindrücke dieser High-Tech in Ruhe verarbeiten. Ja, das Flugwesen hat sich entwickelt, Genossen Bauern. Das war einmal die DDR-SCZ, heute fast dreißig Jahre alt, davon fast 15 Jahre ohne Wartung und das nicht in der Wüste von Arizona, sondern zwischen Bernsdorf und Merseburg.  

 

zurück